Soziales & Bildung · Studium

Quereinstieg als Familienhelfer

Berufsbezeichnung: Familienhelferin / Familienhelfer (Sozialpädagogische Familienhilfe)

Familien in Krisen zu Hause begleiten und im Alltag stärken.

Familienhelferinnen und Familienhelfer unterstützen Familien, die mit Erziehung, Alltag oder Krisen nicht allein zurechtkommen. Sie besuchen die Familien zu Hause, oft über viele Monate. Der Auftrag kommt vom Jugendamt. Ein Familienhelfer Quereinstieg ist nur begrenzt möglich. Die Jugendhilfe verlangt Fachkräfte, meist mit Studium der Sozialen Arbeit oder Pädagogik.

Familienhelferin im Gespräch mit Eltern und Kind auf dem Sofa
Foto: No System Images / Getty Images
Quereinstiegeher gering
Qualifizierungca. 3,5 Jahre
Gehalt (Median), brutto4.997 €
Bedarf & Zukunftsehr hoch

Was du in diesem Beruf machst

Die Sozialpädagogische Familienhilfe ist eine Hilfe zur Erziehung nach § 31 SGB VIII. Familienhelfer stärken Eltern in der Erziehung, helfen bei Konflikten, bei Ämtern, Schulden oder Haushalt und achten auf das Wohl der Kinder. Ziele und Umfang legt das Jugendamt mit der Familie im Hilfeplan fest. Familienhelfer schreiben regelmäßig Berichte darüber.

Das Fachkräftegebot in § 72 SGB VIII verlangt, dass in der Jugendhilfe Fachkräfte arbeiten. In der Praxis heißt das meist ein Studium der Sozialen Arbeit, Sozialpädagogik oder Pädagogik. Erzieherinnen und Erzieher werden im Einzelfall eingesetzt, wenn sie Erfahrung in der sozialpädagogischen Arbeit mitbringen. Das entscheidet das Jugendamt. Viele Träger wünschen eine systemische Zusatzausbildung.

So sieht ein Arbeitstag aus

Dein Tag beginnt im Büro des Trägers mit Mails und Telefonaten. Am Nachmittag fährst du zu den Familien, denn dann sind Eltern und Kinder zu Hause. In der ersten Familie übst du mit der Mutter feste Abendrituale für die Kinder. In der zweiten begleitest du den Vater zu einem Termin beim Jobcenter. Bei der dritten gibt es Streit, und du hilfst, wieder ins Gespräch zu kommen. Du hörst zu, stellst Fragen und vereinbarst kleine nächste Schritte. Danach dokumentierst du die Termine. Einmal im Monat triffst du dein Team zur Fallberatung oder Supervision. Halbjährlich schreibst du einen Bericht für das Jugendamt und nimmst am Hilfeplangespräch teil.

Wo du arbeiten kannst

  • Freie Träger der Kinder- und Jugendhilfe
  • Wohlfahrtsverbände wie Caritas, Diakonie oder AWO
  • Jugendämter
  • Erziehungs- und Familienberatungsstellen
  • Selbstständig als Honorarkraft für Träger

Passt zu dir, wenn …

  • du Familien in schwierigen Lagen begleiten möchtest
  • du gern selbstständig unterwegs bist
  • du bereit bist, noch einmal zu studieren

Eher nicht, wenn …

  • dich belastende Situationen in Familien lange beschäftigen

So gelingt der Quereinstieg

Der sichere Weg führt über ein Studium der Sozialen Arbeit oder Pädagogik. Viele Hochschulen bieten es berufsbegleitend an. Mit einer Ausbildung als Erzieherin oder Heilerziehungspfleger kannst du im Einzelfall direkt einsteigen. Das Bayerische Landesjugendamt nennt dafür Kenntnisse in der sozialpädagogischen Arbeit als Bedingung, die Entscheidung trifft das Jugendamt. Hilfreich sind Erfahrungen aus Kita, Schule, Jugendarbeit oder Beratung. Eine systemische Weiterbildung verbessert deine Chancen. Ohne pädagogischen Abschluss ist die Arbeit als Familienhelfer kaum möglich. Mit 40 oder 50 ist das Studium gut machbar. Deine Lebenserfahrung hilft dir später im Kontakt mit Familien.

Wie quereinstiegsfreundlich ist der Beruf?

eher gering
Dauer der Qualifizierunglang
ZugangsvoraussetzungenStudium nötig
FachkräftebedarfEngpassberuf
Einkommen während der QualifizierungGehalt läuft weiter

Einschätzung der Redaktion auf Basis von Dauer, Zugangsvoraussetzungen, Fachkräftebedarf und Einkommen während der Qualifizierung.

Was du mitbringen solltest

  • Zuhören und Gesprächsführung
  • Belastbarkeit und Abgrenzung
  • Selbstständiges Arbeiten und Planen
  • Sicheres Schreiben von Berichten

Voraussetzungen für den Quereinstieg

  • Studium Soziale Arbeit, Sozialpädagogik oder Pädagogik, im Einzelfall Erzieherabschluss mit Erfahrung
  • Erweitertes Führungszeugnis
  • Führerschein Klasse B, oft verlangt
  • Systemische Zusatzausbildung von Vorteil

Dein Weg in den Beruf

Dauer: Bachelor Soziale Arbeit oder Pädagogik, 6 bis 7 Semester in Vollzeit, berufsbegleitend meist 7 bis 8 Semester; mit Erzieherabschluss im Einzelfall Einstieg mit Zusatzqualifikation

  1. 1
    Praktikum oder Ehrenamt in der Jugendhilfe
  2. 2
    Berufsbegleitendes Studium beginnen oder mit Erzieherabschluss beim Träger nachfragen
  3. 3
    Einstieg bei einem freien Träger, oft zuerst in Teilzeit
  4. 4
    Systemische Weiterbildung neben dem Beruf

Wovon du während des Umstiegs lebst

BerufsbegleitendWeiter arbeiten und nebenher studieren

Weiter arbeiten und nebenher studieren

Im berufsbegleitenden Studium behältst du dein Einkommen. Wer schon als Erzieherin arbeitet, kann oft beim Träger bleiben und nebenher studieren. Private Hochschulen verlangen Studiengebühren.

  • Du behältst dein Gehalt. Du brauchst aber Zeit am Abend oder am Wochenende.
  • Frag deinen Arbeitgeber nach Kostenübernahme. In 14 Bundesländern hast du Anspruch auf Bildungsurlaub.
  • Für Aufstiegsfortbildungen in Teilzeit zahlt das Aufstiegs-BAföG einen Zuschuss zu den Kursgebühren.

Passende Förderprogramme

Quelle: Leuphana Professional School: Berufsbegleitender Bachelor Soziale Arbeit. Ob und wie viel du bekommst, klärt verbindlich die Agentur für Arbeit. Wie die Förderung abläuft: Umschulung über die Arbeitsagentur und Bildungsgutschein beantragen.

Was du nach dem Einstieg verdienst

Median: 4.997 €Mittlere Hälfte: 4.302 € bis 5.697 €

Der Median gilt für alle Vollzeitbeschäftigten im Beruf, auch für sehr erfahrene. Als Quereinsteiger startest du meist darunter.

Grundlage: Entgeltatlas-Beruf Sozialpädagoge/-pädagogin, Vollzeitbeschäftigte, Deutschland, Median und Quartile. Stand: 31.12.2025 (Bezugsjahr 2025). Quelle: Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit

Arbeitsmarkt und Zukunft

Fachkräftebedarf und Zukunftssicherheit

sehr hoch
Aktueller Bedarf an Fachkräftensehr hoch
Einstufung in der Engpassanalyse der BAEngpassberuf
Zukunftssicherheitsehr hoch
Risiko durch KI und Automatisierungniedrig

Einschätzung der Redaktion auf einer Skala von 1 bis 5. Der aktuelle Bedarf stützt sich auf die Engpassanalyse und die Arbeitslosenquote der Bundesagentur für Arbeit. Die Zukunftssicherheit berücksichtigt die erwartete Nachfrage und das Risiko durch KI und Automatisierung.

Die Bundesagentur stuft Sozialarbeit und Sozialpädagogik in der Engpassanalyse 2025 als Engpassberuf ein, mit einem Wert von 2,2. Laut KOFA fehlten zwischen Juli 2025 und Juni 2026 im Schnitt 9.450 Fachkräfte auf Expertenniveau. Hilfen zur Erziehung bleiben eine Pflichtaufgabe der Jugendämter. KI kann beim Schreiben von Berichten helfen. Den Kontakt zu Familien ersetzt sie nicht.

Arbeitslosenquote

Für diesen Beruf veröffentlicht die Bundesagentur für Arbeit keine eigene Arbeitslosenquote. Zum Vergleich: Über alle Berufe lag die Quote im Jahresdurchschnitt 2025 bei 6,3 %.

Stand: 2025. Quelle: BA-Statistik, Fachkräfteengpassanalyse 2025 (8312 Sozialarbeit/Sozialpädagogik, Experten, Gesamtwert 2,2); KOFA-Ländersteckbrief Deutschland: Fachkräftelücke 9.450 (Juli 2025 bis Juni 2026). Gesamtquote: Bundesagentur für Arbeit

Häufige Fragen

Ist ein Familienhelfer Quereinstieg ohne Studium möglich?

Nur begrenzt. Das Fachkräftegebot in § 72 SGB VIII verlangt Fachkräfte in der Jugendhilfe. Meist ist ein Studium der Sozialen Arbeit oder Pädagogik nötig. Erzieherinnen und Erzieher setzen manche Jugendämter im Einzelfall ein, wenn sie Erfahrung in der sozialpädagogischen Arbeit haben. Ohne pädagogischen Abschluss stellen Träger dich in der Regel nicht als Familienhelfer ein.

Was verdient ein Familienhelfer?

Laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit liegt der Median bei 4.997 € brutto im Monat in Vollzeit. Die mittlere Hälfte verdient zwischen 4.302 € und 5.697 €. Viele Träger zahlen nach dem Tarif für den Sozial- und Erziehungsdienst im TVöD oder angelehnt daran. Viele Familienhelfer arbeiten in Teilzeit und verdienen entsprechend weniger.

Kann ich mit 45 noch Soziale Arbeit studieren und Familienhelfer werden?

Ja. Ein Höchstalter gibt es nicht. Viele Hochschulen bieten das Studium berufsbegleitend an, mit Präsenztagen und Online-Phasen. Das dauert meist sieben bis acht Semester. Ein Bildungsgutschein deckt ein Studium in der Regel nicht ab. Manche Träger unterstützen ihre Beschäftigten mit Freistellung oder Zuschüssen. Deine Lebenserfahrung ist im Kontakt mit Familien ein Vorteil.

Jobs in der Nähe

Aktuelle Stellen findest du in der Jobsuche der Bundesagentur für Arbeit. Gib deinen Ort ein, die Suche öffnet sich in einem neuen Tab.

Weiterführende Informationen

Quellen und Stand der Daten

  1. Gehalt: Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit. web.arbeitsagentur.de/entgeltatlas/beruf/58775
  2. Arbeitsmarkt: BA-Statistik, Fachkräfteengpassanalyse 2025 (8312 Sozialarbeit/Sozialpädagogik, Experten, Gesamtwert 2,2); KOFA-Ländersteckbrief Deutschland: Fachkräftelücke 9.450 (Juli 2025 bis Juni 2026). www.frauundberuf-bw.de/fileadmin/FuB-contentbilder/themen/2025_BA-FK-E…
  3. Einkommen im Umstieg: Leuphana Professional School: Berufsbegleitender Bachelor Soziale Arbeit. www.leuphana.de/professional-school/berufsbegleitende-bachelor/studium…
  4. Arbeitslosenquote alle Berufe: Bundesagentur für Arbeit, Presseinfo Arbeitsmarkt im September 2026 (30.09.2026); Jahresrückblick 2025. www.arbeitsagentur.de/presse/2026-37-arbeitsmarkt-im-september-2026

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