Wirtschaft & Verwaltung · Umschulung

Umschulung zur Rechts­anwalts­fach­angestellten

Berufsbezeichnung: Rechtsanwaltsfachangestellte / Rechtsanwaltsfachangestellter

Fristen, Akten und Mandanten in der Anwaltskanzlei organisieren.

Rechtsanwaltsfachangestellte halten eine Kanzlei am Laufen. Sie überwachen Fristen, führen Akten, bereiten Schriftsätze vor und rechnen Gebühren ab. Für Mandanten sind sie oft die erste Ansprechperson. Die Umschulung dauert in der Regel zwei Jahre und endet mit der Prüfung vor der Rechtsanwaltskammer. Als Kanzleiassistenz kannst du auch ohne diesen Abschluss einsteigen.

Rechtsanwaltsfachangestellte arbeitet lächelnd am Computer in der Kanzlei
Foto: stockfour / Getty Images
Quereinstieghoch
Qualifizierungca. 24 Monate
Gehalt (Median), brutto3.472 €
Bedarf & Zukunfthoch

Was du in diesem Beruf machst

Rechtsanwaltsfachangestellte organisieren den Büroalltag in Anwaltskanzleien und Rechtsabteilungen. Sie bearbeiten Post und elektronische Akten, notieren und kontrollieren Fristen, bereiten Schriftsätze vor und betreuen Mandanten am Telefon und am Empfang. Dazu kommen Gebührenabrechnung, Mahnverfahren und Zwangsvollstreckung.

Die reguläre Ausbildung dauert drei Jahre, die Umschulung meist 24 Monate. Zuständig für Ausbildung und Prüfung sind die Rechtsanwaltskammern. Wer schon länger in einer Kanzlei arbeitet, kann den Abschluss auch über eine Externenprüfung nachholen. Mit Berufspraxis ist die Fortbildung zur Geprüften Rechtsfachwirtin oder zum Geprüften Rechtsfachwirt möglich.

So sieht ein Arbeitstag aus

Dein Tag beginnt mit dem Posteingang. Du prüfst Schreiben von Gerichten und Gegnern, ordnest sie den Akten zu und trägst Fristen in den Kalender ein. Vieles läuft heute digital über das besondere elektronische Anwaltspostfach und die Kanzleisoftware. Du schreibst Schriftsätze nach Diktat oder Vorlage, vereinbarst Termine und nimmst Anrufe von Mandanten entgegen. Später erstellst du Kostenrechnungen nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz, beantragst Mahnbescheide oder bereitest Vollstreckungsaufträge vor. Zwischendurch stimmst du dich mit den Anwältinnen und Anwälten ab. Die Arbeit findet fast nur am Schreibtisch statt. Genauigkeit ist wichtig, weil eine versäumte Frist ernste Folgen haben kann.

Wo du arbeiten kannst

  • Anwaltskanzleien jeder Größe
  • Kanzleien mit Notariat (als Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte)
  • Rechtsabteilungen von Unternehmen
  • Versicherungen und Banken
  • Inkassounternehmen und Insolvenzverwaltungen

Passt zu dir, wenn …

  • du gern Ordnung in viele Vorgänge bringst
  • dich Recht interessiert, du aber nicht Jura studieren willst
  • du auch mit Menschen in schwierigen Lagen ruhig sprechen kannst

Eher nicht, wenn …

  • du ungern unter Fristdruck arbeitest

So gelingt der Quereinstieg

Der sicherste Weg ist eine Umschulung von 24 Monaten, oft mit Bildungsgutschein. Unterricht beim Bildungsträger und Praxis in einer Kanzlei wechseln sich ab. Hilfreich sind Erfahrung im Büro, in der Sachbearbeitung oder im Kundenservice und eine sichere Rechtschreibung. Viele Kanzleien stellen Quereinsteiger auch ohne Abschluss als Kanzleiassistenz oder im Sekretariat ein und arbeiten sie ein. Nach einigen Jahren Praxis kannst du bei der Rechtsanwaltskammer die Zulassung zur Externenprüfung beantragen. Mit 40 oder 50 ist der Einstieg gut möglich. Kanzleien schätzen Lebenserfahrung und einen ruhigen Umgang mit Mandanten. Rechne damit, dass Kostenrecht und Zwangsvollstreckung am Anfang trocken wirken und Übung brauchen.

Wie quereinstiegsfreundlich ist der Beruf?

hoch
Dauer der Qualifizierunglang
Zugangsvoraussetzungenniedrig
Fachkräftebedarfkeine Einstufung
Einkommen während der Qualifizierungüber Förderung

Einschätzung der Redaktion auf Basis von Dauer, Zugangsvoraussetzungen, Fachkräftebedarf und Einkommen während der Qualifizierung.

Was du mitbringen solltest

  • Sorgfalt und Organisationstalent
  • Sichere Rechtschreibung und guter Ausdruck
  • Freundlicher Umgang mit Mandanten
  • Routine mit Office und Kanzleisoftware

Voraussetzungen für den Quereinstieg

  • Mittlerer Schulabschluss oder Berufserfahrung im Büro
  • Sehr gutes Deutsch in Wort und Schrift
  • Diskretion und Belastbarkeit bei Termindruck

Dein Weg in den Beruf

Dauer: ca. 24 Monate Umschulung (reguläre Ausbildung: 3 Jahre); Einstieg als Kanzleiassistenz auch ohne Abschluss möglich

  1. 1
    Praktikum oder Probearbeit in einer Kanzlei
  2. 2
    Umschulung bei Bildungsträger oder in der Kanzlei (alternativ: Einstieg als Kanzleiassistenz)
  3. 3
    Abschlussprüfung vor der Rechtsanwaltskammer
  4. 4
    Optional: Geprüfte/r Rechtsfachwirt/in

Wovon du während des Umstiegs lebst

FörderungALG + 150 € im Monat, Prämien 1.000 € und 1.500 €

Arbeitslosengeld + Weiterbildungsgeld

Mit Bildungsgutschein übernimmt die Arbeitsagentur die Lehrgangskosten. Dein Arbeitslosengeld läuft weiter, dazu kommen 150 € Weiterbildungsgeld im Monat. Für die bestandene Zwischenprüfung gibt es 1.000 €, für die Abschlussprüfung vor der Rechtsanwaltskammer 1.500 €.

  • Mit Bildungsgutschein zahlt die Agentur für Arbeit den Kurs.
  • Dein Arbeitslosengeld läuft während der Weiterbildung weiter. Zwei Tage Weiterbildung verbrauchen nur einen Tag deines Anspruchs.
  • Bei einer Umschulung kommen 150 Euro Weiterbildungsgeld im Monat dazu. Für bestandene Prüfungen gibt es 1.000 und 1.500 Euro.
  • Als Beschäftigte oder Beschäftigter bekommst du Förderung über deinen Arbeitgeber oder das Qualifizierungsgeld.

Passende Förderprogramme

Quelle: Verwaltungsportal des Bundes: Weiterbildungsförderung mit Bildungsgutschein; § 87a SGB III. Ob und wie viel du bekommst, klärt verbindlich die Agentur für Arbeit. Wie die Förderung abläuft: Umschulung über die Arbeitsagentur und Bildungsgutschein beantragen.

Was du nach dem Einstieg verdienst

Median: 3.472 €Mittlere Hälfte: 2.816 € bis 4.337 €

Der Median gilt für alle Vollzeitbeschäftigten im Beruf, auch für sehr erfahrene. Als Quereinsteiger startest du meist darunter.

Grundlage: KldB 73112 Assistenzkräfte in Rechtsanwaltskanzlei und Notariat (inkl. Rechtsanwalts-, Notar- und Patentanwaltsfachangestellte), Fachkraft, Vollzeit, Deutschland (40.538 Beschäftigte). Stand: 31.12.2025 (Bezugsjahr 2025). Quelle: Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit, zitiert nach entgeltatlas-online.de

Arbeitsmarkt und Zukunft

Fachkräftebedarf und Zukunftssicherheit

hoch
Aktueller Bedarf an Fachkräftenhoch
Einstufung in der Engpassanalyse der BAkeine Einstufung
Zukunftssicherheithoch
Risiko durch KI und Automatisierungmittel

Einschätzung der Redaktion auf einer Skala von 1 bis 5. Der aktuelle Bedarf stützt sich auf eine Einschätzung der Redaktion, weil die Bundesagentur für Arbeit diesen Beruf nicht eigens bewertet. Die Zukunftssicherheit berücksichtigt die erwartete Nachfrage und das Risiko durch KI und Automatisierung.

Kanzleien suchen seit Jahren Fachangestellte. Laut Bundesrechtsanwaltskammer wurden 2025 bundesweit nur 2.885 neue Ausbildungsverträge für Rechtsanwalts- sowie Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte geschlossen. In der veröffentlichten Engpassanalyse 2025 der Bundesagentur für Arbeit ist der Beruf nicht gesondert ausgewiesen. Das Medianentgelt der Berufsgruppe liegt bei 3.472 € brutto. Digitale Akten und KI übernehmen Routine beim Schreiben. Fristen, Kostenrecht und der Kontakt zu Mandanten bleiben Aufgaben für Menschen.

Arbeitslosenquote

Für diesen Beruf veröffentlicht die Bundesagentur für Arbeit keine eigene Arbeitslosenquote. Zum Vergleich: Über alle Berufe lag die Quote im Jahresdurchschnitt 2025 bei 6,3 %.

Stand: 2025. Quelle: BA-Statistik, Fachkräfteengpassanalyse 2025: Berufsgattung 7311 (Fachkräfte) im veröffentlichten Bericht nicht ausgewiesen, Einstufung nicht ermittelbar. Gesamtquote: Bundesagentur für Arbeit

Häufige Fragen

Kann ich ohne Ausbildung in einer Kanzlei arbeiten?

Ja. Viele Kanzleien stellen Quereinsteiger als Kanzleiassistenz oder im Sekretariat ein. Du übernimmst dann Empfang, Schreibarbeiten und Terminorganisation. Fristenkontrolle und Abrechnung lernst du nach und nach. Die Berufsbezeichnung Rechtsanwaltsfachangestellte darfst du erst nach der Kammerprüfung führen. Wer das Eineinhalbfache der Ausbildungszeit, also viereinhalb Jahre, in einer Kanzlei gearbeitet hat, kann sich in der Regel zur Externenprüfung anmelden.

Wie lange dauert die Umschulung zur Rechtsanwaltsfachangestellten?

Die Umschulung dauert meist 24 Monate. Sie ist damit ein Drittel kürzer als die dreijährige Ausbildung. Du lernst beim Bildungsträger oder in der Berufsschule und arbeitest parallel in einer Kanzlei mit. Am Ende legst du dieselbe Abschlussprüfung vor der Rechtsanwaltskammer ab wie Auszubildende. Wenn du arbeitslos bist oder deine Stelle wegfällt, kann die Arbeitsagentur die Umschulung mit einem Bildungsgutschein fördern.

Was verdient eine Rechtsanwaltsfachangestellte?

Laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit liegt der Median der Berufsgruppe bei 3.472 € brutto im Monat in Vollzeit. Die mittlere Hälfte verdient zwischen 2.816 € und 4.337 €. In diese Statistik fließen auch Notarfachangestellte ein. Große Wirtschaftskanzleien und Ballungsräume zahlen meist besser als kleine Kanzleien. Mit der Fortbildung zur Rechtsfachwirtin wachsen Verantwortung und Gehalt.

Jobs in der Nähe

Aktuelle Stellen findest du in der Jobsuche der Bundesagentur für Arbeit. Gib deinen Ort ein, die Suche öffnet sich in einem neuen Tab.

Weiterführende Informationen

Quellen und Stand der Daten

  1. Gehalt: Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit, zitiert nach entgeltatlas-online.de. entgeltatlas-online.de/beruf/assistenzkraefte-in-rechtsanwaltskanzlei-…
  2. Arbeitsmarkt: BA-Statistik, Fachkräfteengpassanalyse 2025: Berufsgattung 7311 (Fachkräfte) im veröffentlichten Bericht nicht ausgewiesen, Einstufung nicht ermittelbar. www.frauundberuf-bw.de/fileadmin/FuB-contentbilder/themen/2025_BA-FK-E…
  3. Einkommen im Umstieg: Verwaltungsportal des Bundes: Weiterbildungsförderung mit Bildungsgutschein; § 87a SGB III. verwaltung.bund.de/leistungsverzeichnis/de/leistung/99007025017000
  4. Arbeitslosenquote alle Berufe: Bundesagentur für Arbeit, Presseinfo Arbeitsmarkt im September 2026 (30.09.2026); Jahresrückblick 2025. www.arbeitsagentur.de/presse/2026-37-arbeitsmarkt-im-september-2026

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