Gesundheit & Pflege · Studium

Hebamme werden als Quereinsteigerin

Berufsbezeichnung: Hebamme

Frauen in Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett begleiten.

Hebammen begleiten Frauen und Familien in Schwangerschaft, bei der Geburt und im Wochenbett. Seit 2020 führt der Weg in den Beruf über ein duales Studium. Eine klassische Umschulung zur Hebamme gibt es nicht mehr. Das Studium ist bezahlt und auch ohne Abitur möglich, wenn du eine abgeschlossene Pflegeausbildung hast.

Hebamme bespricht mit einer schwangeren Frau Unterlagen auf dem Sofa
Foto: MartinPrescott / Getty Images
Quereinstiegeher gering
Qualifizierung6–8 Semester
Gehalt, bruttoTarif ab 4.420 €
Bedarf & Zukunfthoch

Was du in diesem Beruf machst

Hebammen betreuen Schwangere in der Vorsorge, leiten Geburten im Kreißsaal oder Geburtshaus und besuchen Mütter nach der Geburt zu Hause. Sie geben Kurse, beraten zum Stillen und erkennen, wann ärztliche Hilfe nötig ist. Viele arbeiten angestellt in der Klinik, viele freiberuflich, oft beides zusammen.

Mit dem Hebammengesetz von 2020 wurde die Ausbildung an Hochschulen verlegt. Eine Ausbildung an der Hebammenschule konnte nur noch bis Ende 2022 beginnen und muss bis Ende 2027 abgeschlossen sein. Heute studierst du 6 bis 8 Semester. Du schließt einen Vertrag mit einer Klinik als Praxiseinrichtung und bekommst für die ganze Studienzeit eine Vergütung.

So sieht ein Arbeitstag aus

Im Kreißsaal arbeitest du im Schichtdienst, auch nachts und am Wochenende. Eine Frau kommt mit Wehen, du untersuchst sie, schreibst ein CTG und beurteilst, wie weit die Geburt ist. Du begleitest sie über Stunden, hilfst bei Atmung und Positionen und sprichst dich mit der Ärztin ab. Nach der Geburt versorgst du Mutter und Kind und dokumentierst alles genau. Als freiberufliche Hebamme fährst du zu Wochenbettbesuchen, wiegst Babys, schaust nach der Heilung und berätst beim Stillen. Dazu kommen Kurse am Abend. Die Arbeit ist sehr nah am Leben. Sie kann emotional fordernd sein, wenn eine Geburt nicht gut verläuft.

Wo du arbeiten kannst

  • Kreißsäle in Krankenhäusern
  • Geburtshäuser
  • Eigene Hebammenpraxis (freiberuflich)
  • Hausbesuche in der Vor- und Nachsorge
  • Familienzentren und Beratungsstellen

Passt zu dir, wenn …

  • du Frauen und Familien in einer besonderen Lebensphase begleiten willst
  • du in Notfällen ruhig bleibst und schnell handelst
  • du bereit bist, noch einmal mehrere Jahre zu studieren

Eher nicht, wenn …

  • du Nachtdienste und Wochenendarbeit ausschließen musst
  • dir medizinische Situationen mit Blut und Schmerz schwerfallen

So gelingt der Quereinstieg

Für Quereinsteigerinnen ist der Weg lang. Du brauchst eine Hochschulzugangsberechtigung oder nach § 10 Hebammengesetz eine abgeschlossene Pflegeausbildung, etwa als Pflegefachfrau. Manche Länder lassen auch beruflich Qualifizierte über eine Beratung zu. Plätze sind knapp. Du brauchst einen Studienplatz und einen Vertrag mit einer Praxiseinrichtung. Teile einer Pflegeausbildung kann die Hochschule anrechnen, eine Zusage vorab gibt es meist nicht. Mit 35 oder 40 ist das Studium gut machbar. Mit 50 solltest du die lange Studienzeit und den Schichtdienst ehrlich abwägen. Ein Praktikum im Kreißsaal oder bei einer freiberuflichen Hebamme hilft bei der Entscheidung.

Wie quereinstiegsfreundlich ist der Beruf?

eher gering
Dauer der Qualifizierunglang
ZugangsvoraussetzungenStudium nötig
Fachkräftebedarfkeine Einstufung
Einkommen während der Qualifizierungja

Einschätzung der Redaktion auf Basis von Dauer, Zugangsvoraussetzungen, Fachkräftebedarf und Einkommen während der Qualifizierung.

Was du mitbringen solltest

  • Einfühlungsvermögen und Ruhe in Ausnahmesituationen
  • Verantwortungsbewusstsein und schnelle Entscheidungen
  • Interesse an Medizin und wissenschaftlichem Arbeiten
  • Belastbarkeit im Schichtdienst

Voraussetzungen für den Quereinstieg

  • Abitur, Fachhochschulreife oder abgeschlossene Pflegeausbildung (§ 10 HebG)
  • Gesundheitliche Eignung und gute Deutschkenntnisse
  • Vertrag mit einer verantwortlichen Praxiseinrichtung
  • Studienplatz an einer Hochschule mit Hebammenwissenschaft

Dein Weg in den Beruf

Dauer: Duales Bachelorstudium Hebammenwissenschaft, 6 bis 8 Semester (meist 7) mit Praxiseinsätzen und Vergütung; Abschluss mit staatlicher Prüfung und Bachelor

  1. 1
    Praktikum im Kreißsaal oder bei einer freiberuflichen Hebamme
  2. 2
    Zugangsvoraussetzungen und Fristen der Hochschulen prüfen
  3. 3
    Bewerbung um Studienplatz und Vertrag mit einer Klinik
  4. 4
    Duales Studium mit staatlicher Prüfung und Bachelor

Wovon du während des Umstiegs lebst

Vergütungz. B. 1.515 € im Monat (TVHöD, Stand 2022)

Studienvergütung

Während des dualen Studiums zahlt dir die Praxiseinrichtung eine Vergütung, das schreibt § 34 Hebammengesetz vor. In kommunalen Kliniken gilt der TVHöD, bei Abschluss 2022 mit 1.515 € im Monat. Arbeitslosengeld, Bildungsgutschein und Weiterbildungsgeld gibt es für ein Hochschulstudium in der Regel nicht.

  • Die Ausbildungsvergütung liegt meist deutlich unter deinem bisherigen Gehalt. Rechne die Lücke für die ganze Ausbildungszeit durch.
  • Je nach Situation kommen Wohngeld oder Kinderzuschlag infrage.
  • Für Meister, Techniker oder Erzieher in Vollzeit gibt es Aufstiegs-BAföG mit bis zu 1.019 Euro Unterhaltsbeitrag im Monat.

Passende Förderprogramme

Quelle: § 34 HebG; dbb: Tarifeinigung TVHöD (Januar 2022). Ob und wie viel du bekommst, klärt verbindlich die Agentur für Arbeit. Wie die Förderung abläuft: Umschulung über die Arbeitsagentur und Bildungsgutschein beantragen.

Was du nach dem Einstieg verdienst

Tarifspanne: 4.420 € bis 5.234 €

Die Spanne reicht von der ersten bis zur höchsten Erfahrungsstufe, ohne Zuschläge. Bei Arbeitgebern ohne Tarifbindung kann das Gehalt abweichen.

Grundlage: TVöD-P Entgeltgruppe P 11 (Hebammen mit abgeschlossenem Hochschulstudium), Stufe 2 bis 6, Vollzeit, ohne Zulagen; ältere Hebammen mit Fachschulausbildung oft niedriger eingruppiert. Stand: ab 01.05.2026. Quelle: TVöD-P-Tabelle laut jobs-beim-staat.de und medi-karriere.de; Caritas AVR P11-Faktenblatt 2026 zum Vergleich

Arbeitsmarkt und Zukunft

Fachkräftebedarf und Zukunftssicherheit

hoch
Aktueller Bedarf an Fachkräftenhoch
Einstufung in der Engpassanalyse der BAkeine Einstufung
Zukunftssicherheithoch
Risiko durch KI und Automatisierungniedrig

Einschätzung der Redaktion auf einer Skala von 1 bis 5. Der aktuelle Bedarf stützt sich auf eine Einschätzung der Redaktion, weil die Bundesagentur für Arbeit diesen Beruf nicht eigens bewertet. Die Zukunftssicherheit berücksichtigt die erwartete Nachfrage und das Risiko durch KI und Automatisierung.

Die Geburtenzahlen sind gesunken, von rund 785.000 im Jahr 2017 auf etwa 654.000 im Jahr 2025. Laut Barmer-Institut ist die Zahl der Hebammen je 1.000 Geburten dadurch rechnerisch gestiegen. Regional bleibt die Versorgung aber sehr unterschiedlich, etwa in der Eifel und in Ostbayern. In der Engpassanalyse 2025 der Bundesagentur wird der Beruf nicht gesondert ausgewiesen. Die Arbeit am Menschen kann keine Software übernehmen.

Arbeitslosenquote

Für diesen Beruf veröffentlicht die Bundesagentur für Arbeit keine eigene Arbeitslosenquote. Zum Vergleich: Über alle Berufe lag die Quote im Jahresdurchschnitt 2025 bei 6,3 %.

Stand: 2025. Quelle: BA-Statistik, Fachkräfteengpassanalyse 2025: Geburtshilfe im veröffentlichten Bericht nicht ausgewiesen; Versorgungsdaten: Barmer-Institut bifg, Factsheet Hebammenkapazitäten (07/2026). Gesamtquote: Bundesagentur für Arbeit

Häufige Fragen

Gibt es noch eine Umschulung zur Hebamme?

Nein, eine klassische Umschulung gibt es nicht mehr. Seit dem Hebammengesetz von 2020 ist ein duales Bachelorstudium Pflicht. Die alte Ausbildung an Hebammenschulen konnte nur bis Ende 2022 beginnen. Für Quereinsteigerinnen heißt das: Du brauchst einen Studienplatz und einen Vertrag mit einer Klinik. Ohne Abitur geht es mit einer abgeschlossenen Pflegeausbildung.

Bekomme ich im Hebammenstudium Geld?

Ja. Nach § 34 Hebammengesetz zahlt dir die Praxiseinrichtung während der ganzen Studienzeit eine angemessene Vergütung. In kommunalen Kliniken regelt das der Tarifvertrag TVHöD. Bei seinem Abschluss 2022 lag das Studienentgelt bei 1.515 € im Monat. Andere Träger zahlen nach eigenen Regeln. Ein Bildungsgutschein ist für ein Hochschulstudium in der Regel nicht möglich.

Was verdient eine Hebamme?

Im öffentlichen Dienst sind Hebammen mit Hochschulabschluss in Entgeltgruppe P 11 des TVöD eingruppiert. Seit Mai 2026 sind das 4.420 € bis 5.234 € brutto im Monat in Vollzeit, dazu kommen Zulagen für Schicht und Nachtarbeit. Freiberufliche Hebammen rechnen mit den Krankenkassen ab. Ihr Einkommen hängt stark von Auslastung, Versicherung und Fahrtkosten ab.

Jobs in der Nähe

Aktuelle Stellen findest du in der Jobsuche der Bundesagentur für Arbeit. Gib deinen Ort ein, die Suche öffnet sich in einem neuen Tab.

Weiterführende Informationen

Quellen und Stand der Daten

  1. Gehalt: TVöD-P-Tabelle laut jobs-beim-staat.de und medi-karriere.de; Caritas AVR P11-Faktenblatt 2026 zum Vergleich. www.jobs-beim-staat.de/tarif/tvoed-p_p11
  2. Arbeitsmarkt: BA-Statistik, Fachkräfteengpassanalyse 2025: Geburtshilfe im veröffentlichten Bericht nicht ausgewiesen; Versorgungsdaten: Barmer-Institut bifg, Factsheet Hebammenkapazitäten (07/2026). www.aerzteblatt.de/news/hebammenkapazitaten-rechnerisch-gestiegen-7c8d…
  3. Einkommen im Umstieg: § 34 HebG; dbb: Tarifeinigung TVHöD (Januar 2022). www.dbb.de/artikel/tarifeinigung-fuer-studierende-in-einem-dualen-heba…
  4. Arbeitslosenquote alle Berufe: Bundesagentur für Arbeit, Presseinfo Arbeitsmarkt im September 2026 (30.09.2026); Jahresrückblick 2025. www.arbeitsagentur.de/presse/2026-37-arbeitsmarkt-im-september-2026

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