Soziales & Bildung · Umschulung

Quereinstieg als Heilerziehungs­pfleger

Berufsbezeichnung: Heilerziehungspflegerin / Heilerziehungspfleger

Menschen mit Behinderung im Alltag begleiten, fördern und pflegen.

Heilerziehungspflegerinnen und Heilerziehungspfleger begleiten Menschen mit Behinderung in Wohngruppen, Werkstätten und Schulen. Die Arbeit verbindet Pflege und Pädagogik. Einrichtungen suchen dringend Fachkräfte. Die Ausbildung dauert meist drei Jahre. Praxisintegriert oder berufsbegleitend kannst du dabei Geld verdienen. Mit Lebenserfahrung und einer abgeschlossenen Ausbildung ist der Zugang oft einfacher.

Heilerziehungspflegerin spielt mit einem Mädchen mit Holzfiguren am Tisch
Foto: Anthony Shkraba / Pexels
Quereinstiegmittel
Qualifizierungca. 36 Monate
Gehalt (Median), brutto4.525 €
Bedarf & Zukunftsehr hoch

Was du in diesem Beruf machst

Heilerziehungspflegerinnen und Heilerziehungspfleger begleiten Menschen mit Behinderung. Sie unterstützen bei Pflege und Alltag, fördern Selbstständigkeit und gestalten Freizeit, Arbeit und Wohnen mit. Ziel ist, dass die Menschen möglichst selbstbestimmt leben.

Die Ausbildung findet an einer Fachschule statt und dauert meist drei Jahre. In der praxisintegrierten Form arbeitest du von Anfang an in einer Einrichtung und bekommst eine Vergütung. Berufsbegleitend in Teilzeit ist sie ebenfalls möglich. Zugang und Ablauf regeln die Bundesländer.

So sieht ein Arbeitstag aus

Im Frühdienst weckst du die Bewohner deiner Wohngruppe und hilfst beim Waschen und Anziehen. Beim Frühstück achtest du darauf, dass jeder so viel wie möglich selbst macht. Danach begleitest du einige in die Werkstatt oder zur Schule. Am Vormittag planst du Förderangebote, sprichst mit Ärzten oder Angehörigen und schreibst Berichte. Nachmittags kochst du mit der Gruppe, gehst einkaufen oder unternimmst einen Ausflug. Manche Menschen brauchen viel Pflege, andere vor allem Struktur und Ermutigung. Du gibst Medikamente nach Plan und beobachtest, wie es allen geht. In Wohnheimen arbeitest du im Schichtdienst, auch am Wochenende.

Wo du arbeiten kannst

  • Wohngruppen und Wohnheime der Eingliederungshilfe
  • Werkstätten für Menschen mit Behinderung
  • Förderschulen und inklusive Kitas
  • Ambulante Assistenzdienste
  • Psychiatrische Einrichtungen

Passt zu dir, wenn …

  • du Menschen im Alltag begleiten willst und dabei auch pflegst
  • dir Geduld und Beziehungen wichtiger sind als schnelle Ergebnisse
  • du eine sinnvolle Arbeit mit sicheren Jobchancen suchst

Eher nicht, wenn …

  • du Schicht- und Wochenenddienste ausschließen musst

So gelingt der Quereinstieg

Viele Umsteiger beginnen als Assistenzkraft oder Betreuer in einer Wohngruppe. So lernst du die Arbeit kennen, bevor du die Ausbildung startest. Der Zugang setzt meist einen mittleren Abschluss voraus. Wer schon eine Berufsausbildung hat, braucht oft nur ein kurzes Praktikum. Je nach Bundesland zählen auch eigene Familienarbeit oder Erfahrung als Tagesmutter. Die praxisintegrierte Ausbildung ist für Umsteiger attraktiv, weil du dabei ein Gehalt bekommst. Hilfreich sind Erfahrungen aus Pflege, Erziehung, Handwerk oder Sport. Mit 40 oder 50 ist der Einstieg gut möglich. Einrichtungen schätzen reife Persönlichkeiten. Bedenke, dass Pflege und Schichtdienst körperlich fordern.

Wie quereinstiegsfreundlich ist der Beruf?

mittel
Dauer der Qualifizierunglang
ZugangsvoraussetzungenAusbildung oder Erfahrung nötig
FachkräftebedarfEngpassberuf
Einkommen während der Qualifizierungja

Einschätzung der Redaktion auf Basis von Dauer, Zugangsvoraussetzungen, Fachkräftebedarf und Einkommen während der Qualifizierung.

Was du mitbringen solltest

  • Geduld und Einfühlungsvermögen
  • Körperliche und seelische Belastbarkeit
  • Pflegerisches und pädagogisches Interesse
  • Zuverlässigkeit im Team

Voraussetzungen für den Quereinstieg

  • Mittlerer Schulabschluss
  • Abgeschlossene Berufsausbildung oder Vorpraktikum, je nach Bundesland
  • Vertrag mit einer Praxiseinrichtung bei praxisintegrierter Ausbildung
  • Erweitertes Führungszeugnis und ärztliches Attest

Dein Weg in den Beruf

Dauer: meist 3 Jahre an der Fachschule, praxisintegriert oder berufsbegleitend in Teilzeit; je nach Bundesland mit Vorpraktikum

  1. 1
    Hospitation in einer Wohngruppe oder Werkstatt
  2. 2
    Fachschule und Praxiseinrichtung finden, Zugang klären
  3. 3
    Ausbildung praxisintegriert, in Vollzeit oder berufsbegleitend
  4. 4
    Staatliche Anerkennung, optional Weiterbildung zur Heilpädagogin

Wovon du während des Umstiegs lebst

Vergütungca. 1.100–1.400 € im Monat

Vergütung in der praxisintegrierten Ausbildung

In der praxisintegrierten Ausbildung hast du einen Vertrag mit einer Einrichtung und bekommst eine Vergütung nach Tarif. Eine Fachschule in Baden-Württemberg nennt in der Regel 1.100 bis 1.400 € im Monat. In der klassischen Vollzeitschule gibt es meist keine Vergütung, dann kommen BAföG oder Aufstiegs-BAföG infrage.

  • Die Ausbildungsvergütung liegt meist deutlich unter deinem bisherigen Gehalt. Rechne die Lücke für die ganze Ausbildungszeit durch.
  • Je nach Situation kommen Wohngeld oder Kinderzuschlag infrage.
  • Für Meister, Techniker oder Erzieher in Vollzeit gibt es Aufstiegs-BAföG mit bis zu 1.019 Euro Unterhaltsbeitrag im Monat.

Passende Förderprogramme

Quelle: Edith-Stein-Schulen für soziale Berufe Rottweil, Stellenanzeige PiA Heilerziehungspflege (ausbildung.de, 2026). Ob und wie viel du bekommst, klärt verbindlich die Agentur für Arbeit. Wie die Förderung abläuft: Umschulung über die Arbeitsagentur und Bildungsgutschein beantragen.

Was du nach dem Einstieg verdienst

Median: 4.525 €Mittlere Hälfte: 4.052 € bis 5.081 €

Der Median gilt für alle Vollzeitbeschäftigten im Beruf, auch für sehr erfahrene. Als Quereinsteiger startest du meist darunter.

Grundlage: KldB 83133 Berufe in Heilerziehungspflege und Sonderpädagogik, Spezialist (u. a. Heilerziehungspfleger/in), Vollzeit, Deutschland (37.596 Beschäftigte). Stand: 31.12.2025 (Bezugsjahr 2025). Quelle: Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit, zitiert nach entgeltatlas-online.de

Arbeitsmarkt und Zukunft

Fachkräftebedarf und Zukunftssicherheit

sehr hoch
Aktueller Bedarf an Fachkräftensehr hoch
Einstufung in der Engpassanalyse der BAEngpassberuf
Zukunftssicherheitsehr hoch
Risiko durch KI und Automatisierungniedrig

Einschätzung der Redaktion auf einer Skala von 1 bis 5. Der aktuelle Bedarf stützt sich auf die Engpassanalyse und die Arbeitslosenquote der Bundesagentur für Arbeit. Die Zukunftssicherheit berücksichtigt die erwartete Nachfrage und das Risiko durch KI und Automatisierung.

Die Bundesagentur für Arbeit führt die Heilerziehungspflege auf Spezialistenebene in der Fachkräfteengpassanalyse 2024 als Engpassberuf. Das Medianentgelt liegt laut Entgeltatlas bei 4.525 € brutto. Viele Einrichtungen der Behindertenhilfe finden kaum Fachkräfte. Mit dem Ziel der Inklusion wachsen ambulante Angebote, Schulbegleitung und Assistenz. Die Arbeit mit Menschen lässt sich kaum automatisieren.

Arbeitslosenquote

Für diesen Beruf veröffentlicht die Bundesagentur für Arbeit keine eigene Arbeitslosenquote. Zum Vergleich: Über alle Berufe lag die Quote im Jahresdurchschnitt 2025 bei 6,3 %.

Stand: 2024. Quelle: BA-Statistik, Fachkräfteengpassanalyse 2024 (Gesamtwert 2,0 für 8313 Heilerziehungspflege, Sonderpädagogik, Spezialisten); Analyse 2025 konnte nicht eingesehen werden. Gesamtquote: Bundesagentur für Arbeit

Häufige Fragen

Kann ich als Quereinsteiger Heilerziehungspfleger werden?

Ja. Mit mittlerem Abschluss und einer abgeschlossenen Berufsausbildung erfüllst du in vielen Bundesländern die Zugangsvoraussetzungen. Oft reicht dann ein kurzes Vorpraktikum. Ohne Ausbildung brauchst du meist ein längeres Vorpraktikum im sozialen Bereich. Frag direkt bei der Fachschule nach, welche Erfahrungen sie anerkennt.

Bekomme ich in der Ausbildung zum Heilerziehungspfleger Geld?

In der praxisintegrierten Ausbildung bekommst du eine Vergütung von deiner Einrichtung, laut einer Fachschule meist 1.100 bis 1.400 € im Monat. Berufsbegleitend arbeitest du in Teilzeit weiter und verdienst dein Gehalt. In der klassischen Vollzeitschule gibt es meist keine Vergütung. Dann kannst du BAföG oder Aufstiegs-BAföG beantragen.

Was ist der Unterschied zwischen Heilerziehungspfleger und Erzieher?

Beide Ausbildungen finden an Fachschulen statt und dauern ähnlich lang. Erzieher arbeiten vor allem mit Kindern und Jugendlichen. Heilerziehungspfleger begleiten Menschen mit Behinderung in jedem Alter. Dazu gehören auch Pflege und Medikamentengabe. Viele Einrichtungen der Eingliederungshilfe stellen beide Berufe ein.

Jobs in der Nähe

Aktuelle Stellen findest du in der Jobsuche der Bundesagentur für Arbeit. Gib deinen Ort ein, die Suche öffnet sich in einem neuen Tab.

Weiterführende Informationen

Quellen und Stand der Daten

  1. Gehalt: Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit, zitiert nach entgeltatlas-online.de. entgeltatlas-online.de/beruf/berufe-in-heilerziehungspflege-und-sonder…
  2. Arbeitsmarkt: BA-Statistik, Fachkräfteengpassanalyse 2024 (Gesamtwert 2,0 für 8313 Heilerziehungspflege, Sonderpädagogik, Spezialisten); Analyse 2025 konnte nicht eingesehen werden. www.vbw-bayern.de/Redaktion/Frei-zugaengliche-Medien/Abteilungen-GS/Bi…
  3. Einkommen im Umstieg: Edith-Stein-Schulen für soziale Berufe Rottweil, Stellenanzeige PiA Heilerziehungspflege (ausbildung.de, 2026). ausbildung.de/stellen/staatlich-anerkannte-r-heilerziehungspfleger-in-…
  4. Arbeitslosenquote alle Berufe: Bundesagentur für Arbeit, Presseinfo Arbeitsmarkt im September 2026 (30.09.2026); Jahresrückblick 2025. www.arbeitsagentur.de/presse/2026-37-arbeitsmarkt-im-september-2026

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