Wirtschaft & Verwaltung · Umschulung

Quereinstieg in die Versicherung

Berufsbezeichnung: Kauffrau / Kaufmann für Versicherungen und Finanzanlagen

Versicherungen erklären, Verträge betreuen und Schäden regeln.

Kaufleute für Versicherungen und Finanzanlagen beraten Kunden zu Absicherung und Vorsorge, betreuen Verträge und bearbeiten Schäden. Sie arbeiten im Innendienst von Versicherern, in Agenturen oder bei Maklern. Für Versicherungen sind Quereinsteiger keine Seltenheit. Viele starten im Vertrieb mit der IHK-Sachkundeprüfung, andere machen eine zweijährige Umschulung mit Kammerabschluss.

Versicherungskaufmann berät ein Paar am Schreibtisch
Foto: BraunS / Getty Images
Quereinstieghoch
Qualifizierungca. 24 Monate
Gehalt (Median), brutto5.534 €
Bedarf & Zukunftmittel

Was du in diesem Beruf machst

Im Innendienst prüfen Versicherungskaufleute Anträge, passen Verträge an und regulieren Schäden. Im Vertrieb analysieren sie den Bedarf von Privat- oder Firmenkunden und empfehlen passende Versicherungen und Vorsorgeprodukte. Dazu gehören Haftpflicht, Kfz, Wohngebäude, Kranken- und Lebensversicherung.

Wer Versicherungen vermittelt, braucht eine Erlaubnis nach § 34d GewO und muss sachkundig sein. Den Nachweis erbringst du meist mit der IHK-Prüfung zur Geprüften Fachfrau oder zum Geprüften Fachmann für Versicherungsvermittlung, früher Versicherungsfachmann genannt. Den vollen Berufsabschluss erreichst du mit einer Umschulung von rund 24 Monaten und der Prüfung vor der IHK.

So sieht ein Arbeitstag aus

Im Innendienst beginnt der Tag mit neuen Schadenmeldungen. Du prüfst Fotos, Rechnungen und Gutachten und entscheidest, was die Versicherung zahlt. Danach beantwortest du Anfragen von Kunden und Vermittlern am Telefon oder per Mail. Im Außendienst sieht der Tag anders aus. Du besuchst Kunden zu Hause oder im Betrieb, analysierst ihren Bedarf und erstellst Angebote. Jedes Beratungsgespräch dokumentierst du sorgfältig. Viel Arbeit läuft über Fachsoftware und Vergleichsrechner. Im Innendienst ist Homeoffice oft möglich. Im Vertrieb hängt ein Teil des Einkommens häufig vom Erfolg ab. Jedes Jahr bildest du dich laut Gesetz mindestens 15 Stunden weiter.

Wo du arbeiten kannst

  • Versicherungsunternehmen (Innendienst)
  • Versicherungsagenturen
  • Maklerbüros
  • Banken und Finanzvertriebe
  • Krankenversicherungen

Passt zu dir, wenn …

  • du gern mit Menschen sprichst und Dinge verständlich erklärst
  • du Ordnung in Verträge und Zahlen bringst
  • du im Vertrieb Einfluss auf dein Einkommen haben möchtest

Eher nicht, wenn …

  • du Kaltakquise und Zielvorgaben ablehnst

So gelingt der Quereinstieg

Viele Versicherer und Agenturen stellen Quereinsteiger für den Vertrieb ein und bereiten sie auf die IHK-Sachkundeprüfung vor. Formale Zulassungsvoraussetzungen nennt die IHK für den schriftlichen Teil nicht. Die Prüfung besteht aus einem Test am PC und einem Beratungsgespräch als Rollenspiel. Ein Vorbereitungskurs dauert zum Beispiel fünf Monate berufsbegleitend. Wer den vollen Abschluss möchte, macht eine Umschulung von etwa 24 Monaten mit Praktikum. Gute Vorerfahrungen sind Verkauf, Bank, Kundenservice oder Handwerk. Mit 40 oder 50 bringst du Glaubwürdigkeit für Themen wie Vorsorge mit. Rechne im Vertrieb mit einer Anlaufzeit, bis du einen eigenen Kundenstamm hast.

Wie quereinstiegsfreundlich ist der Beruf?

hoch
Dauer der Qualifizierunglang
Zugangsvoraussetzungenniedrig
Fachkräftebedarfkeine Einstufung
Einkommen während der Qualifizierungüber Förderung

Einschätzung der Redaktion auf Basis von Dauer, Zugangsvoraussetzungen, Fachkräftebedarf und Einkommen während der Qualifizierung.

Was du mitbringen solltest

  • Kommunikationsstärke
  • Kaufmännisches Denken
  • Genauigkeit bei Verträgen und Schäden
  • Einfühlungsvermögen im Schadenfall

Voraussetzungen für den Quereinstieg

  • Mittlerer Schulabschluss (für die Umschulung üblich)
  • Gute Deutschkenntnisse (oft Niveau B2)
  • Für die Vermittlung: Sachkundeprüfung nach § 34d GewO
  • Sicherer Umgang mit PC und Office

Dein Weg in den Beruf

Dauer: ca. 24 Monate Umschulung mit IHK-Abschluss; schneller Einstieg in die Vermittlung über die IHK-Sachkundeprüfung nach § 34d GewO (Vorbereitung z. B. 5 Monate berufsbegleitend)

  1. 1
    Gespräch mit einer Versicherung oder Agentur führen
  2. 2
    Vorbereitung auf die IHK-Sachkundeprüfung oder Umschulung (24 Monate)
  3. 3
    Prüfung vor der IHK
  4. 4
    Jährliche Weiterbildung von 15 Stunden einplanen

Wovon du während des Umstiegs lebst

FörderungALG + 150 € im Monat, Prämien bis 2.500 €

Arbeitslosengeld + Weiterbildungsgeld

Mit Bildungsgutschein übernimmt die Agentur für Arbeit die Lehrgangskosten. Dein Arbeitslosengeld läuft weiter, dazu kommen 150 € Weiterbildungsgeld im Monat. Für bestandene Prüfungen vor der IHK sind Prämien von insgesamt bis zu 2.500 € möglich.

  • Mit Bildungsgutschein zahlt die Agentur für Arbeit den Kurs.
  • Dein Arbeitslosengeld läuft während der Weiterbildung weiter. Zwei Tage Weiterbildung verbrauchen nur einen Tag deines Anspruchs.
  • Bei einer Umschulung kommen 150 Euro Weiterbildungsgeld im Monat dazu. Für bestandene Prüfungen gibt es 1.000 und 1.500 Euro.
  • Als Beschäftigte oder Beschäftigter bekommst du Förderung über deinen Arbeitgeber oder das Qualifizierungsgeld.

Passende Förderprogramme

Quelle: Verwaltungsportal des Bundes: Weiterbildungsförderung mit Bildungsgutschein; § 87a SGB III. Ob und wie viel du bekommst, klärt verbindlich die Agentur für Arbeit. Wie die Förderung abläuft: Umschulung über die Arbeitsagentur und Bildungsgutschein beantragen.

Was du nach dem Einstieg verdienst

Median: 5.534 €Mittlere Hälfte: 4.376 € bis 6.730 €

Der Median gilt für alle Vollzeitbeschäftigten im Beruf, auch für sehr erfahrene. Als Quereinsteiger startest du meist darunter.

Grundlage: KldB 72132, Vollzeitbeschäftigte, Deutschland, alle Altersgruppen, Median und Quartile. Stand: 31.12.2025 (Bezugsjahr 2025). Quelle: Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit

Arbeitsmarkt und Zukunft

Fachkräftebedarf und Zukunftssicherheit

mittel
Aktueller Bedarf an Fachkräftenmittel
Einstufung in der Engpassanalyse der BAkeine Einstufung
Zukunftssicherheitmittel
Risiko durch KI und Automatisierungmittel

Einschätzung der Redaktion auf einer Skala von 1 bis 5. Der aktuelle Bedarf stützt sich auf eine Einschätzung der Redaktion, weil die Bundesagentur für Arbeit diesen Beruf nicht eigens bewertet. Die Zukunftssicherheit berücksichtigt die erwartete Nachfrage und das Risiko durch KI und Automatisierung.

Die Versicherer bauen Personal auf. Laut Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen arbeiteten Ende 2025 rund 215.600 Menschen bei den Versicherern, davon 174.300 im Innendienst und 29.600 im angestellten Außendienst. Das Durchschnittsalter im Innendienst liegt bei rund 45 Jahren. Viele gehen in den nächsten Jahren in Rente. Software übernimmt einfache Schadenfälle. Beratung zu Vorsorge und Firmenrisiken bleibt gefragt.

Arbeitslosenquote

Für diesen Beruf veröffentlicht die Bundesagentur für Arbeit keine eigene Arbeitslosenquote. Zum Vergleich: Über alle Berufe lag die Quote im Jahresdurchschnitt 2025 bei 6,3 %.

Stand: 2025. Quelle: BA-Statistik, Fachkräfteengpassanalyse 2025: Berufsgattung 7213 Versicherungskaufleute im veröffentlichten Bericht nicht als Engpassberuf ausgewiesen; vollständige Einstufung nicht eingesehen. Gesamtquote: Bundesagentur für Arbeit

Häufige Fragen

Wie finden Quereinsteiger einen Einstieg bei Versicherungen?

Der schnellste Weg führt über den Vertrieb. Viele Versicherer und Agenturen stellen Quereinsteiger ein und bereiten sie auf die IHK-Sachkundeprüfung nach § 34d GewO vor. Damit darfst du Versicherungen vermitteln. Die Prüfung kostet bei der IHK Nord Westfalen 449 €. Für den Innendienst ist ein Berufsabschluss gefragt. Den erreichst du mit einer Umschulung von rund 24 Monaten.

Kann ich mit 50 noch Versicherungskaufmann werden?

Ja. Ein Höchstalter gibt es weder für die Umschulung noch für die Sachkundeprüfung. In der Beratung zu Altersvorsorge und Absicherung wirkt Lebenserfahrung oft vertrauensbildend. Eine Umschulung mit Bildungsgutschein entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall. Im Vertrieb solltest du finanzielle Reserven für die Anlaufzeit einplanen, bis Provisionen regelmäßig fließen.

Was verdienen Kaufleute für Versicherungen und Finanzanlagen?

Laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit liegt der Median bei 5.534 € brutto im Monat in Vollzeit. Die mittlere Hälfte verdient zwischen 4.376 € und 6.730 €. Der Wert gilt für alle Beschäftigten der Berufsgattung, auch für sehr erfahrene. Im Innendienst zahlen viele Versicherer nach Tarif. Im Außendienst kommen oft Provisionen dazu.

Jobs in der Nähe

Aktuelle Stellen findest du in der Jobsuche der Bundesagentur für Arbeit. Gib deinen Ort ein, die Suche öffnet sich in einem neuen Tab.

Weiterführende Informationen

Quellen und Stand der Daten

  1. Gehalt: Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit. web.arbeitsagentur.de/entgeltatlas/beruf/6861
  2. Arbeitsmarkt: BA-Statistik, Fachkräfteengpassanalyse 2025: Berufsgattung 7213 Versicherungskaufleute im veröffentlichten Bericht nicht als Engpassberuf ausgewiesen; vollständige Einstufung nicht eingesehen. www.frauundberuf-bw.de/fileadmin/FuB-contentbilder/themen/2025_BA-FK-E…
  3. Einkommen im Umstieg: Verwaltungsportal des Bundes: Weiterbildungsförderung mit Bildungsgutschein; § 87a SGB III. verwaltung.bund.de/leistungsverzeichnis/de/leistung/99007025017000
  4. Arbeitslosenquote alle Berufe: Bundesagentur für Arbeit, Presseinfo Arbeitsmarkt im September 2026 (30.09.2026); Jahresrückblick 2025. www.arbeitsagentur.de/presse/2026-37-arbeitsmarkt-im-september-2026

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