Öffentlicher Dienst · Steuerverwaltung

Quereinsteiger beim Finanzamt: Ausbildung, Studium oder Tarifstelle

Finanzämter gehören zu den Ländern und suchen laufend Personal. Du kannst als Erwachsener eine bezahlte Beamtenausbildung beginnen. Mit einer Ausbildung als Steuerfachangestellte, Bankkaufmann oder Verwaltungsfachangestellte gibt es auch direkte Tarifstellen. Hier siehst du, welcher Weg zu deinem Alter und Abschluss passt.

Ausbildung Finanzwirt/in2 Jahre, bezahlt
Duales Studium3 Jahre, bezahlt
Anwärterbezügeca. 1.500 bis 1.600 € brutto
Höchstalter Ausbildungje nach Land 39 bis unter 47 Jahre

Was du im Finanzamt machst

Im Finanzamt prüfst du Steuererklärungen und setzt Steuern fest. Das Landesamt für Steuern Bayern nennt vier große Bereiche. Die meisten Stellen sind Büroarbeit mit Gleitzeit, viele mit Teilzeit und mobilem Arbeiten.

  • Veranlagung: Steuererklärungen von Arbeitnehmern, Selbstständigen und Firmen bearbeiten
  • Finanzkasse: Zahlungen buchen und Kontoauskünfte geben
  • Vollstreckung: offene Steuern eintreiben, notfalls mit Zwangsmaßnahmen
  • Außendienst: Betriebe prüfen, etwa ob die Lohnsteuer richtig abgeführt wurde

Drei Wege ins Finanzamt

  1. 1
    Ausbildung zur Finanzwirtin oder zum Finanzwirt
    Zwei Jahre im mittleren Dienst. In Bayern, Brandenburg und NRW sind das 8 Monate Theorie an einer Landesfinanzschule und 16 Monate Praxis im Finanzamt. Du brauchst mindestens den mittleren Schulabschluss. Ab dem ersten Tag bist du Beamtin oder Beamter auf Widerruf.
  2. 2
    Duales Studium im gehobenen Dienst
    Drei Jahre im Wechsel zwischen Hochschule und Finanzamt. In NRW sind es 21 Monate Studium und 15 Monate Praxis, in Baden-Württemberg endet das Studium mit dem Bachelor of Laws. Voraussetzung ist Abitur oder Fachhochschulreife.
  3. 3
    Tarifstelle mit Berufsabschluss
    Finanzämter stellen auch Tarifbeschäftigte ein. Gefragt sind vor allem steuerliche, kaufmännische und Verwaltungsabschlüsse. Du bekommst Gehalt nach TV-L und wirst im Amt eingearbeitet. Eine Altersgrenze gibt es dafür nicht.

Quereinstieg als Tarifbeschäftigte: was belegt ist

Diese Stellen werden einzeln ausgeschrieben, meist für ein bestimmtes Amt oder einen Fachbereich. Drei Beispiele zeigen, wie das aussieht.

  • Nordrhein-Westfalen suchte zum 1. November 2025 rund 50 Quereinsteiger für die Erhebungsstellen der Finanzämter. Angesprochen waren Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte, Steuerfachangestellte, Verwaltungsfachangestellte und Bankkaufleute. Die Stellen waren mit Entgeltgruppe 6 TV-L bewertet. Für November 2026 gab es laut Stellenportalen eine neue Runde.
  • Das Finanzamt Wittlich in Rheinland-Pfalz schrieb Ende 2025 eine unbefristete Stelle in der Veranlagung aus. Verlangt wurde eine steuerliche Ausbildung, etwa als Steuerfachangestellte, oder ein kaufmännischer Beruf mit Steuererfahrung. Der Einstieg lag bei E 5 TV-L, eine Entwicklung bis E 9a war möglich. Bewerbungen aus allen Altersgruppen waren ausdrücklich erwünscht.
  • Brandenburg bietet einen Seiteneinstieg mit vorgeschalteter Arbeit im Finanzamt. Das Finanzamt Luckenwalde zahlte dafür rund 2.800 Euro brutto nach E 3 TV-L. Ab August 2027 folgt die Ausbildung zur Finanzwirtin oder zum Finanzwirt mit Verbeamtung. Hier galt allerdings ein Höchstalter von 39 Jahren.

In NRW heißen Tarifbeschäftigte im Finanzamt Regierungsbeschäftigte. Neben Steuerstellen gibt es dort auch Büroservice, Innendienst der Betriebsprüfung oder Hausmeisterstellen. Wenn du aus der Kanzlei kommst, lies auch unsere Seite zur Steuerfachangestellten.

Altersgrenzen für die Ausbildung 2026 und 2027

Für die Beamtenausbildung legt jedes Land eine eigene Grenze fest. Die Werte unten stammen aus aktuellen Ausschreibungen.

LandHöchstalterStand
Bayernnoch nicht 45 JahreEinstellung 01.09.2026
Berlinnoch nicht 47 Jahre, Ausnahmen bei Kinderbetreuung oder PflegeEinstellung 15.08.2025
Brandenburghöchstens 39 JahreEinstellung 15.08.2027
Nordrhein-Westfalen39 Jahre, Ausnahmen möglichEinstellung 01.09.2027

Für Baden-Württemberg nennen die Ausschreibungen 2027 kein Höchstalter. Frag in diesem Fall direkt bei der Ausbildungsleitung deines Wunsch-Finanzamts nach. Wer über der Grenze liegt, kann sich weiterhin auf Tarifstellen bewerben.

Gehalt: Anwärterbezüge, Besoldung und TV-L

PhaseBetragQuelle
Ausbildung mittlerer Dienstca. 1.500 bis 1.550 € bruttoAusschreibungen Bayern, Brandenburg, BW, NRW
Duales Studiumca. 1.550 bis 1.615 € bruttoAusschreibungen BW, NRW
Nach der Ausbildungmeist A 6, in BW laut Finanzamt Ravensburg A 8Landesbesoldung
Nach dem Studiummeist A 9, in BW laut Finanzamt Ravensburg A 10Landesbesoldung
TarifstelleE 5: 3.074 €, E 6: 3.187 €, E 9a: 3.620 € (Stufe 1)TV-L ab 01.04.2026

Die TV-L-Werte steigen laut Tarifeinigung am 1. März 2027 um weitere 2 Prozent. Berufserfahrung kann bei der Stufe zählen, das musst du aber nachweisen.

Zum Vergleich: Der Entgeltatlas der Bundesagentur nennt für Fachkräfte in der Steuerberatung einen Median von 3.654 Euro. Ein Wechsel aus der Kanzlei bringt also nicht unbedingt mehr Geld. Er bringt aber oft planbarere Arbeitszeiten und keinen Fristendruck vor Abgabeterminen.

So bewirbst du dich

  1. 1
    Land wählen
    Du bewirbst dich bei dem Land, in dem du arbeiten willst. Jedes Land hat ein eigenes Portal und eigene Fristen.
  2. 2
    Fristen beachten
    Bayern: Anmeldung über lpa.bayern.de bis Anfang Mai des Vorjahres. Brandenburg: Frist 31. Dezember 2026 für den Start im August 2027. NRW vergibt Zusagen laufend über das Onlineportal.
  3. 3
    Auswahlverfahren
    Bayern prüft in einem dreistündigen schriftlichen Test Deutsch und Allgemeinwissen. Andere Länder setzen auf Online-Tests und Gespräche. Einen Sporttest wie beim Zoll gibt es nicht.
  4. 4
    Tarifstellen finden
    Diese Stellen stehen auf den Karriereseiten der Länder, bei interamt.de und in der Jobbörse der Bundesagentur. Such nach Begriffen wie Finanzamt, Sachbearbeitung Steuern oder Quereinstieg.

Vor- und Nachteile

Vorteile: Du arbeitest an einem festen Ort im eigenen Land. Gleitzeit, Teilzeit und mobiles Arbeiten sind verbreitet. Berlin erlaubt in den Praxisphasen der Ausbildung sogar bis zu 50 Prozent weniger Arbeitszeit. Nach der Prüfung ist die Übernahme die Regel.

  • Die Anwärterbezüge liegen deutlich unter einem Fachkräftegehalt. Mit Familie solltest du das vorher durchrechnen.
  • Die Theorie findet in Blöcken an einer Landesfinanzschule statt, oft mit Übernachtung. In NRW kosten Unterkunft und Verpflegung rund 250 Euro im Monat.
  • Steuerrecht ist viel Lernstoff, mit Klausuren und Abschlussprüfung.
  • Du entscheidest nach Gesetz, nicht nach Ermessen. Das ist nicht für jeden etwas.
  • Im Publikumsverkehr und in der Vollstreckung triffst du auch auf verärgerte Menschen.

Weitere Wege in Behörden findest du auf der Seite Quereinstieg in den öffentlichen Dienst. Wenn dich Steuern mit Uniform reizen, schau dir den Zoll an.

Häufige Fragen

Kann ich als Quereinsteiger beim Finanzamt arbeiten?

Ja. Am einfachsten geht es mit einer Ausbildung als Steuerfachangestellte, Verwaltungsfachangestellter oder Bankkaufmann. Damit kommst du für Tarifstellen nach TV-L infrage. Ohne passenden Abschluss kannst du die bezahlte Ausbildung zur Finanzwirtin oder zum Finanzwirt beginnen, sofern du unter der Altersgrenze deines Landes liegst.

Gibt es eine Umschulung zum Finanzamt?

Eine Umschulung im klassischen Sinn gibt es nicht. Die Finanzverwaltung bildet selbst aus, als Beamtenausbildung mit Anwärterbezügen. Du brauchst dafür keinen Bildungsgutschein. Die Ausbildung zur Finanzwirtin oder zum Finanzwirt dauert zwei Jahre.

Bis zu welchem Alter kann ich Finanzwirt werden?

Das regelt jedes Land selbst. Bayern nimmt Bewerber, die noch nicht 45 sind. Berlin lag zuletzt bei unter 47 Jahren, Brandenburg und NRW nennen 39 Jahre. Auf Tarifstellen gibt es keine Altersgrenze.

Was verdient man in der Ausbildung beim Finanzamt?

In der Ausbildung bekommst du je nach Land rund 1.500 bis 1.550 Euro brutto im Monat, im dualen Studium etwas mehr. Dazu kommen Jahressonderzahlung und vermögenswirksame Leistungen. Nach der Ausbildung startest du in den meisten Ländern in A 6, nach dem Studium in A 9.

Lohnt sich der Wechsel von der Steuerkanzlei ins Finanzamt?

Finanziell nicht unbedingt. Tarifstellen beginnen oft bei E 5 oder E 6 TV-L, also gut 3.000 Euro brutto. Dafür bekommst du feste Arbeitszeiten, Gleitzeit und einen sicheren Arbeitsplatz. Deine Kenntnisse aus der Kanzlei sind in der Veranlagung direkt gefragt.

Wo finde ich Stellenangebote beim Finanzamt für Quereinsteiger?

Tarifstellen stehen auf den Karriereseiten der Landesfinanzverwaltungen, bei interamt.de und in der Jobbörse der Bundesagentur. Für die Ausbildung bewirbst du dich direkt über das Portal deines Landes. Achte auf die Fristen, denn der Start ist meist im August oder September des Folgejahres.

Quellen

Stand 21.10.2026. Angaben ohne Gewähr.

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