Öffentlicher Dienst · Polizei

Quereinstieg bei der Polizei: welche Wege es 2026 wirklich gibt

Polizistin oder Polizist wirst du nicht über einen kurzen Lehrgang. Für den Vollzugsdienst brauchst du eine Ausbildung oder ein Studium bei der Polizei. Beides ist aber bezahlt, und viele Länder nehmen inzwischen deutlich ältere Bewerber an. Daneben gibt es echte Quereinstiege: im Objektschutz, in der Verwaltung und als IT- oder Wirtschaftsspezialist.

Ausbildung2 bis 3 Jahre, bezahlt
Anwärterbezüge Bundespolizeica. 1.430 bis 1.640 € netto
Höchstalterje nach Land ca. 30 bis 41 Jahre
Einstieg danachA 7 (mittlerer) oder A 9 (gehobener Dienst)

Gibt es einen Quereinstieg in den Polizeivollzugsdienst?

Kurz gesagt: nicht ohne Ausbildung. Wer Uniform trägt, Menschen festnimmt oder Einsätze fährt, durchläuft bei Bund und Ländern eine eigene Laufbahnausbildung. Eine Umschulung über die Agentur für Arbeit führt deshalb nicht direkt in den Polizeidienst.

Für Umsteiger ist das trotzdem machbar. Du bist ab dem ersten Tag Beamtin oder Beamter auf Widerruf und bekommst Anwärterbezüge. Deine Berufsausbildung zählt außerdem oft als Zugangsvoraussetzung oder hebt die Altersgrenze an.

  • Mittlerer Dienst: Ausbildung, bei der Bundespolizei 2,5 Jahre. Zugang mit mittlerem Schulabschluss oder Hauptschulabschluss plus Berufsausbildung.
  • Gehobener Dienst: duales Bachelorstudium, bei der Bundespolizei 3 Jahre. Zugang mit Abitur oder Fachhochschulreife.
  • Einige Länder bilden nur noch im gehobenen Dienst aus. Prüfe deshalb die Seite deines Bundeslands.

Altersgrenzen 2026: Bund und ausgewählte Länder

Die Höchstaltersgrenzen sind in den letzten Jahren vielerorts gestiegen. Sie unterscheiden sich aber stark. Die Tabelle zeigt geprüfte Angaben aus offiziellen Quellen.

DienstherrMittlerer DienstGehobener DienstHinweis
Bundespolizeiunter 28 Jahre, mit Berufsausbildung und 3 Jahren Berufserfahrung bis 35unter 34 Jahre, mit Ausbildung oder Studium und 3 Jahren Berufserfahrung bis 41Kinderbetreuung und Pflege verschieben die Grenze (§ 5 BPolLV)
Baden-Württemberg16,5 bis 32 Jahrebis 33 JahreAusnahmen möglich, Stand 08/2026
Bayernunter 31 Jahre–Ausnahmen im Einzelfall, etwa bei familiär verzögerter Bewerbung
Berlin–höchstens 41 Jahre zum Einstellungsterminlaut Ausschreibung Einstellung 2026

Für alle anderen Länder gilt: Die aktuelle Grenze steht auf der Karriereseite der Landespolizei. Frag bei Zweifeln die Einstellungsberatung, denn Ausnahmen sind häufiger, als viele denken.

Echte Quereinstiege ohne Polizeiausbildung

Die Polizei beschäftigt viele Menschen, die keine Vollzugsbeamten sind. Hier zählt deine bisherige Ausbildung direkt.

  1. 1
    Wachpolizei und Objektschutz
    Du bewachst Gebäude, kontrollierst Zugänge oder begleitest Transporte. In Hessen suchte die Polizei 2024 Wachpolizisten mit Berufsausbildung oder ab 21 Jahren mit Hauptschulabschluss, bis 39 Jahre. Die Ausbildung dauerte 18 Wochen, bezahlt nach TV-H E8. Berlin stellt Polizeibeschäftigte im Objektschutz ab 18 Jahren nach TV-L E5 ein, im Wechselschichtdienst.
  2. 2
    Verwaltung, Technik und IT
    Präsidien und Polizeiakademien brauchen Sachbearbeitung, Personalwesen, Haushalt, Werkstätten und IT. Diese Stellen sind Tarifstellen im öffentlichen Dienst. Hier passt etwa eine Ausbildung als Fachinformatiker oder eine kaufmännische Ausbildung.
  3. 3
    Seiteneinstieg für Spezialisten
    Mit Studium und Berufserfahrung kannst du direkt in den gehobenen Vollzugsdienst einsteigen. Die Bundespolizei stellt Informatiker und Ingenieure mit mindestens 18 Monaten Berufserfahrung als Polizeivollzugsbeamte ein, Besoldung ab A 9. Baden-Württemberg hat eine Sonderlaufbahn für Cyber- und Wirtschaftskriminalisten mit einem Jahr polizeilicher Ausbildung.

Wenn dich vor allem Sicherheit und Schutz interessieren, ist auch die Fachkraft für Schutz und Sicherheit eine Option. Sie arbeitet in der privaten Sicherheitsbranche und ist oft schneller erreichbar.

Was du während und nach der Ausbildung verdienst

Während der Ausbildung bekommst du Anwärterbezüge. Die Bundespolizei nennt als Beispiel rund 1.430 Euro netto im mittleren und rund 1.640 Euro netto im gehobenen Dienst. Das hängt von Steuerklasse und Familienstand ab. Mit Kindern kommt ein Familienzuschlag hinzu.

Nach der Ausbildung startest du als Polizeimeisterin oder Polizeimeister in A 7 oder als Polizeikommissarin oder Polizeikommissar in A 9. Laut der Bundespolizei sind das beispielhaft etwa 2.490 und 2.710 Euro netto. Dazu kommen die Polizeizulage und Zuschläge für Nacht- und Wochenenddienste.

Die Länder zahlen nach eigenem Besoldungsrecht. Die Beträge liegen in einer ähnlichen Größenordnung, unterscheiden sich aber. Wer im Objektschutz oder in der Verwaltung angestellt ist, wird nach Tarifvertrag bezahlt, etwa TV-L oder TV-H.

Bewerbung und Auswahlverfahren

  1. 1
    Dienstherrn wählen
    Bundespolizei, Landespolizei oder Bundeskriminalamt. Achte auf Altersgrenze, Einsatzorte und Bewerbungsfristen.
  2. 2
    Online bewerben
    Die meisten Polizeien nehmen Bewerbungen nur über ihr Onlineportal an. Stellen für Tarifbeschäftigte findest du auf den Stellenportalen von Bund und Land.
  3. 3
    Eignungstest
    Üblich sind ein schriftlicher Test, ein Sporttest, ein Gespräch oder Assessment und eine ärztliche Untersuchung. Die Bundespolizei verlangt zum Beispiel das Schwimmabzeichen in Bronze.
  4. 4
    Einstellung
    Nach bestandenem Verfahren beginnst du zum nächsten Einstellungstermin. Viele Polizeien stellen ein- bis zweimal im Jahr ein.

Plane für die Vorbereitung auf den Sporttest einige Monate ein. Gerade mit über 30 lohnt sich ein fester Trainingsplan.

Was du vorher wissen solltest

  • Schicht- und Wochenenddienst gehören fast immer dazu.
  • Bei der Bundespolizei musst du mit Einsätzen in ganz Deutschland rechnen. Den ersten Dienstort kannst du oft nicht frei wählen.
  • Der Einstieg kostet Zeit: 2,5 bis 3 Jahre Ausbildung mit Anwärterbezügen, die unter einem erfahrenen Fachkräftegehalt liegen können.
  • Belastende Einsätze, Gewalt und Konflikte sind Teil des Alltags.
  • Gesundheit, Fitness und ein einwandfreier Leumund werden genau geprüft.

Wenn dir Sicherheit im öffentlichen Dienst wichtiger ist als die Uniform, schau dir auch Zoll, Finanzamt und den Quereinstieg in die Verwaltung an.

Häufige Fragen

Kann ich als Quereinsteiger ohne Ausbildung Polizist werden?

Nein, nicht im Vollzugsdienst. Du brauchst die Ausbildung im mittleren Dienst oder das Studium im gehobenen Dienst. Ohne Polizeiausbildung arbeiten kannst du aber im Objektschutz, in der Wachpolizei einiger Länder oder in Verwaltung und IT. Mit Studium und Berufserfahrung gibt es zudem Seiteneinstiege für Spezialisten.

Gibt es eine Umschulung zur Polizei?

Eine klassische Umschulung über die Agentur für Arbeit gibt es nicht. Die Polizei bildet selbst aus. Du bist dabei Beamtin oder Beamter auf Widerruf und bekommst Anwärterbezüge. Du brauchst also keine Förderung, um die Ausbildung zu finanzieren.

Bis zu welchem Alter kann ich zur Polizei?

Das hängt vom Dienstherrn ab. Bei der Bundespolizei liegt die Grenze im gehobenen Dienst bei unter 34 Jahren, mit Ausbildung und drei Jahren Berufserfahrung bis 41. Baden-Württemberg nennt 32 bzw. 33 Jahre, Berlin für den gehobenen Dienst 41 Jahre. Kinderbetreuung und Pflege können die Grenze verschieben.

Wie läuft der Quereinstieg bei der Polizei in Baden-Württemberg?

Für den mittleren Dienst darfst du bis 32 Jahre alt sein, für den gehobenen Dienst bis 33. Du brauchst mindestens den mittleren Schulabschluss, mindestens 1,60 Meter Größe und den Führerschein Klasse B. Mit Studium und mindestens drei Jahren Berufserfahrung gibt es zusätzlich die Sonderlaufbahn für Cybercrime und Wirtschaftskriminalität.

Was verdient man in der Polizeiausbildung?

Bei der Bundespolizei nennt der Dienstherr beispielhaft rund 1.430 Euro netto im mittleren und rund 1.640 Euro netto im gehobenen Dienst. Nach der Ausbildung geht es in A 7 oder A 9 weiter, plus Polizeizulage. In den Ländern gelten eigene Besoldungstabellen.

Wo finde ich Polizei-Stellenangebote für Quereinsteiger?

Tarifstellen in Objektschutz, Verwaltung und IT stehen auf den Stellenportalen von Bund und Ländern, etwa interamt.de oder service.bund.de. Für die Ausbildung bewirbst du dich direkt über das Karriereportal der Bundespolizei oder deiner Landespolizei. Achte auf Fristen, denn viele Polizeien stellen nur zu festen Terminen ein.

Quellen

Stand 21.10.2026. Angaben ohne Gewähr.

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